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Interview Wolfgang Riehle
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>> Herr Riehle, warum haben Sie sich für das Ehrenamt des Präsidenten zur Verfügung gestellt?
überraschend und ich empfand sie zugegebenermaßen als durchaus schmeichelhaft. Obwohl ich erst wenige Wochen zuvor den Vorsitz in der BDA-Kreisgruppe Neckar-Alb nach 10 Jahren abgegeben und mich gewissermaßen auf den berufspolitischen „Ruhestand“ eingerichtet hatte, reizte mich die exponierte Aufgabe, die weit über Repräsentationspflichten hinausgeht. Ich empfinde es bis heute als lohnende Herausforderung, in der Spitzenposition aktiv an der Gestaltung unserer beruflichen Rahmenbedingungen in Stuttgart, Berlin und Brüssel mitarbeiten zu können.
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Freier Architekt/Freier Stadtplaner in Reutlingen und Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg: „Dirigent des ‚Kammerorchesters‘ sein zu dürfen, nehme ich als Privileg wahr, ebenso wie die Chance, Berufspraxis und Berufspolitik abwechslungsreich miteinander verbinden zu können.“ (Foto: René Müller)
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Nachdem ich genügend Zeit hatte, mich mit meiner Familie und meinen Partnern im Büro abzustimmen und auch mir selbst über die Konsequenzen eines solchen Ehrenamtes klarzuwerden, konnte mich auch ein renommierter Gegenkandidat nicht mehr von einer Kandidatur abhalten.
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>> Was hat Ihnen während Ihrer Amtszeit „Lust“ bereitet?
Bereits meine Bewerbungsrede vor der LVV 1998 endete mit dem Motto, „Lust auf Architektur“ wecken zu wollen. An dieser Motivation hat sich auch nach über 10 Jahren nichts geändert. Vertrauensbeweise und Bestätigung bei Wahlen können durchaus Glücksgefühle auslösen. Gleiches gilt für einen ergebnisorientierten Sitzungsverlauf z. B. im Landesvorstand, wo wir – auch nach durchaus kontroverser Diskussion – in aller Regel im Konsens entscheiden. Der Bundesrat hat ganz aktuell abschließend die Novellierung der HOAI beschlossen. Nach Jahren des harten Kampfes auf Landes- und Bundesebene bereitet mir die Verabschiedung der Novelle auf der Grundlage der zuletzt veröffentlichten Inhalte durchaus Lust – auch oder gerade weil ein zweiter, unmittelbar folgender Novellierungsschritt in dem Beschluss enthalten ist.
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>> Und was hat in der Zeit „Frust“ verursacht?
Frustrierend ist es, wenn die Durchsetzung berufspolitischer Ziele durch mangelnde Solidarität oder Eitelkeiten Einzelner erschwert oder gar verhindert wird. Dass es trotz des einstimmigen Votums unserer Landesvertreterversammlung im Herbst 2006 nicht gelungen ist, die Ingenieurkammer mehrheitlich von der Sinnhaftigkeit und Zukunftsorientierung einer Fusion beider Kammern zu überzeugen, empfinde ich persönlich als Enttäuschung.
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>> Wo sehen Sie einen Gewinn durch das Ehrenamt? Persönlich? Für den Berufsstand?
Dirigent des „Kammerorchesters“ sein zu dürfen, nehme ich als Privileg wahr, ebenso wie die Chance, Berufspraxis und Berufspolitik abwechslungsreich miteinander verbinden zu können. Ich erlebe bei aller zeitlichen Belastung vor allem eine Bereicherung durch anregende Begegnungen, intensiven Erfahrungsaustausch, aktuelle Informationen, vielfältige Kontakte und vieles mehr.
Das Amt – wie ich es verstehe und ausfüllen will – zwingt zu großer Disziplin in vielerlei Hinsicht, verlangt eine schnelle Meinungsbildung und ständig klare Entscheidungen, deren Ergebnis es dann mit überzeugenden Argumenten zu vertreten gilt. Ich habe dadurch während meiner Amtszeit inhaltlich, systematisch, rhetorisch und bei allen Führungsaufgaben persönlich viel dazu gelernt, was mir natürlich auch außerhalb der Kammeraktivitäten zugute kommt.
Ich gehe davon aus, dass es auch und gerade für den Berufsstand von Vorteil ist, dass der Präsident mit seinem Büro aktiv in der beruflichen Praxis steht, sich als Teilnehmer und Preisrichter an Wettbewerben beteiligt, Arbeitgeber und Netzwerker ist und dadurch von der Berufsrealität geprägt wird.
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>> Welchen Rat geben Sie potentiellen Interessenten?
Erkundigen Sie sich vor der Wahl nach den Eigenarten und Aufgaben der jeweiligen Position – und entwickeln Sie Ihren eigenen Stil! Stimmen Sie sich mit Ihrem privaten und geschäftlichen Umfeld bezüglich der Freistellung, Vertretungssituation, der Unterstützung und des Verständnisses offensiv ab. Fühlen Sie sich mitverantwortlich für die Entwicklung unseres Berufsstandes – als Selbstverwaltungsorganisation haben Architektinnen und Architekten die seltene Chance, wesentliche Weichenstellungen über demokratische Entscheidungsprozesse selbst zu bestimmen.
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