Interview Klaus Wehrle

>> Herr Wehrle, warum haben Sie sich für das Ehrenamt des Vertreters der baugewerblich tätigen Architekten im Landesvorstand zur Verfügung gestellt?
Veränderungen an unserem Beruf kann man nur dann mitgestalten, wenn man sich aktiv einbringt und mitarbeitet. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass ich mich zur Wahl gestellt habe. Vom Grunde her bin ich der Meinung, dass unsere Kammer auf einem sehr guten Weg ist, viele Dinge sind im Umbruch, daran wollte ich einfach mitwirken.


Vertreter der baugewerblich tätigen Architektinnen und Architekten sowie Architekt und Stadtplaner im südbadischen Gutach: „Ein gemeinsames berufspolitisches Engagement bringt die gesamte Architektenschaft nach vorne.“

Die Veränderung ist ein universelles Grundprinzip, der Status quo nur eine Momentaufnahme. Seit ich dieses „Naturgesetz“ begriffen habe, fällt es mir zugegeben schwer, beruflich auf der Stelle zu verharren.  Nach meiner Wahrnehmung bringt ein gemeinsames berufspolitisches Engagement die gesamte Architektenschaft nach vorne. Für ein gutes Ergebnis lohnt es sich deshalb zu arbeiten. Nachdem ich einige Jahre als Beisitzer in unserer Kammergruppe aktiv war, habe ich mich über die Wahl in den Landesvorstand sehr gefreut. Übrigens bin ich immer noch auf Kammerbezirksebene und in unserer Kammergruppe aktiv. Das ist für mich ganz wichtig, denn alles was im Vorstand entschieden wird, sollte den Kolleginnen und Kollegen auch in der Praxis etwas bringen. Es ist im Grunde klar, dass es vor allen Dingen um die zeitgemäße Ausübung unseres Berufes geht. Eine spannende und nie endende Aufgabe.

>> Was hat Ihnen während Ihrer Amtszeit „Lust“ bereitet?
Die intensive Diskussion und auch die kritische Reflexion über unseren Beruf. Inhaltlich freue ich mich sehr darüber, dass sich in den letzten Jahren unser Berufsstand in vielen Bereichen geöffnet hat. Dies beginnt bei der Lockerung der Werberichtlinien und setzt sich bei den Möglichkeiten zur Akquisitionsplanung für alle Architekten fort. Hier haben wir nun mit unserem berufspolitischen Rahmen die Wirklichkeit eingeholt, dafür haben vor allen Dingen auch die Vorstandskollegen vor meiner Zeit hart gearbeitet. Ich habe in nur kurzer Zeit festgestellt, dass die Aussage, dass man sowieso nichts ändern könne, so nicht stimmt. Wenn die Argumente passen, ist alles möglich. „Lust“ bereitet mir vor allen Dingen der Blick auf die Zukunft unseres Berufes. Es gibt eine Vielzahl von Aufgaben für uns Architekten, die gerade durch die neuen Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, gelöst werden müssen. Ich denke da nur an den Klimawandel, die demografische Entwicklung oder das sich neu strukturierende Europa. Aufgaben für Architekten in großer Zahl. Es geht nun darum, dass wir Wege finden, daran verantwortlich mitwirken zu können.

Vor allen Dingen habe ich aber auch die geselligen Augenblicke zu schätzen gelernt, in denen der Mensch hinter der „Fassade des Architekten“ hervorblickt und man auf einer kollegialen Ebene den wahren Wert unseres Tuns offen besprechen kann.

>> Und was hat in der Zeit „Frust“ verursacht?
Da steht meine eigene Ungeduld ganz im Vordergrund. Jeder, der sich in einer Kammer engagiert, muss wissen, dass Veränderungen Zeit brauchen. Der Weg zu dieser Feststellung hat mir den größten „Frust“ verursacht. Ansonsten verhält sich alles so wie im „wirklichen Leben“. Die Kammerarbeit ist eben eine Arbeit mit Menschen, dazu gehören positive wie negative Erfahrungen. Die Tatsache, dass sich nicht mehr Kolleginnen und Kollegen aktiv in der Kammer engagieren, finde ich persönlich schade, habe aber den Eindruck, dass sich hier einiges bewegt.

>> Wo sehen Sie einen Gewinn durch das Ehrenamt? Persönlich? Für den Berufsstand?
Ich habe in meinem Berufsleben nie schneller und intensiver gelernt als in den vergangenen drei Jahren meiner Zugehörigkeit zum Landesvorstand. Das gilt in erster Linie für meine persönliche Entwicklung. Vor allen Dingen die konstruktive und auch kritische Art der Auseinandersetzung auf einem hohen menschlichen Niveau hat mich nachhaltig beeindruckt. Sehr interessant für die tägliche und zukünftige Arbeit sind die aktuellen Informationen, welche man über dieses Amt erhält. Auch das Engagement auf der Bundesebene unserer Kammer hat mir viele neue Erkenntnisse und Kontakte gebracht. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man gerade in den Bundesministerien sehr an einem offenen Meinungsaustausch mit Architekten aus der Praxis interessiert ist. Eines meiner Themen ist ja die Entwicklung von neuen Kooperationsformen im Bauwesen. Dazu gehört selbstredend die Bildung von Netzwerken. Da sich in diesem Bereich nicht allzu viele Kollegen aufhalten, wurde ich relativ schnell in eine informelle Gruppe von Personen auf Bundesebene berufen, welche sich kammer- und verbandsübergeordnet um die Fortentwicklung des Bauens einsetzen. Ich habe dadurch die Erfahrung gemacht, dass sich gerade in der Zusammenarbeit mit anderen Berufskammern der politische Einfluss der Architektenschaft insgesamt deutlich steigern lässt. Selbstverständlich achten wir darauf, dass die Interessen der Architekten dabei gewahrt bleiben. Durch meinen täglichen Praxisbezug hoffe ich, einen Beitrag für den Berufsstand und die Entwicklung unserer Profession leisten zu können.

>> Welchen Rat geben Sie potentiellen Interessenten?
Freuen Sie sich auf die Möglichkeit, an unserem Berufsbild mitzuarbeiten und lassen Sie sich nicht abschrecken durch die vermeintliche Größe der Aufgabe.

Wichtig ist es, im Vorfeld die persönliche Kapazitätsgrenze abzustecken. Es stellt sich die Frage, wie man das Ehrenamt mit Familie und Beruf in Einklang bringen kann. Außerdem sollte man auch noch Zeit für sich selbst haben und lieb gewonnene Hobbys nicht ganz aufgeben, denn es gibt auch wieder eine Zeit nach der ehrenamtlichen Tätigkeit. Wenn diese dann alles ist, fällt es schwer loszulassen.

Scheuen Sie sich nicht, Ihren eigenen Weg zu suchen, denn unsere Kammer besteht aus vielen Facetten, je vielschichtiger, desto besser. Und übrigens: Klein angefangen hat jeder.



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