Interview Jürgen Lehnhoff

>>Herr Lehnhoff, warum haben Sie sich für das Ehrenamt des Vertreters der Fachrichtung Garten- und Landschaftsarchitektur im Landesvorstand zur Verfügung gestellt?
Es war im Jahre 1990 und ich war bereits seit fünf Jahren der Landesvorsitzende des Bundes deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) in Baden-Württemberg, als ich gefragt wurde, ob ich nicht auch die berufspolitische Aufgabe im Landesvorstand der Architektenkammer wahrnehmen könnte.


Vertreter der Garten- und Landschaftsarchitekten im Landes- wie im Bundesvorstand, Freier Garten- und Landschaftsarchitekt sowie Freier Stadtplaner in Stuttgart: „Der gedankliche Horizont ist durch die fachrichtungsübergreifende Zusammenarbeit deutlich geschärft worden. Das sehe ich als Gewinn für mich persönlich, aber auch für meine Arbeit für den Berufsstand.“

Da ich zu diesem Zeitpunkt auch kommunalpolitisch tätig war, musste ich Prioritäten setzen. Meine Entscheidung fiel für die Kammerarbeit aus, weil ich dort mehr Einflussnahme bezüglich unserer vielfältigen Belange, Bedürfnisse und Notwendigkeiten gesehen habe. In Abwesenheit wurde ich von der Landesvertreterversammlung mit deutlicher Mehrheit gewählt.

Die Begrüßung zur ersten Vorstandssitzung lautete dann auch vom Kollegen Schaber: „Schau an, unser neuer Rasenmäher“. Die Themen der Architektur (aller Fachrichtungen) waren für mich schon in jungen Jahren von besonderer Bedeutung, zumal mein Vater freier Hochbauarchitekt war. Die Möglichkeit etwas bewegen zu können, hat mir immer schon viel Freude bereitet und das ist bis zum heutigen Tag auch so geblieben. Die Einrichtung der vierten Fachrichtung, also der Stadtplanung in unsere Architektenkammer, die fachbezogene Bauvorlageberechtigung gemäß der LBO 82, die fachbezogene Festschreibung der Tätigkeitsfelder, die Eintragungsvoraussetzungen und vieles mehr haben mich immer wieder motiviert, den vollen Einsatz zu geben. Auch wenn nicht immer der gewünschte Erfolg eingetreten ist, so hat sich der Einsatz für unsere Interessen immer gelohnt. Mein Ende der Kammerarbeit ist ausschließlich damit begründet, dass ich nach 20 Jahren Vorstandsarbeit den „jungen“ Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit geben möchte, die künftige Berufspolitik mitgestalten zu können. Eine konstruktive, alle Aufgabenfelder umfassende Mitarbeit war für mich die Zielsetzung und dieser bin ich bis heute treu geblieben.

>> Was hat Ihnen während Ihrer Amtszeit „Lust“ bereitet?
Die enge Zusammenarbeit mit allen aktiven Kollegen im Landesvorstand, in der Landes-vertreterversammlung und mit dem Hauptamt der  Architektenkammer haben mir in der  Regel viel Freude bereitet. Hinzu kam für mich auch die reizvolle Aufgabe auf Bundesebene, im Vorstand  der Bundesarchitektenkammer, noch mehr Einfluss auf die vielfältigen Aufgaben unserer Fachrichtung ausüben zu können. Hierbei denke ich insbesondere an die Leitfäden zur  Berufsqualifizierung, die einstimmig vom Bundesvorstand beschlossen worden sind, die Novellierung der HOAI und vieles mehr.

Die Öffentlichkeitsarbeit mit ihren vielfältigen Facetten hat mir immer sehr viel Freude bereitet. Ebenso ist das „Kämpfen“ und das „Überzeugen“ für die Belange unserer Fachrichtung mit einer besonderen Genugtuung verbunden, die ich möglicherweise vermissen werde.

>> Und was hat in der Zeit „Frust“ verursacht?
Es ist wohl auch vorgekommen, dass mögliche Erfolge nicht so spürbar waren, wie man es sich gewünscht hätte oder dass man mit seinen Vorstellungen gescheitert ist. So wurde z.B. die „Fachbezogene Bauvorlageberechtigung“ dahingehend abgewandelt, dass ein  Großteil der planvorlagepflichtigen Aufgaben keiner Planvorlage mehr bedürfen. Als Frust habe ich es mitunter empfunden, wenn das aus meiner Sicht richtige Netzwerk zur Erlangung berufspolitischer Ziele an den Egoismen Einzelner gescheitert ist. Mitunter hätte ich mir auch gerne mehr Einsatz von unseren Mitgliedern gewünscht, wenn auch nur mehr Interesse bzw. Teilnahme an unseren Veranstaltungen. Wobei ich mir dann oft selbst die Frage gestellt habe, ob ich zu viel gewollt habe oder aber nicht genügend Motivation vermitteln konnte. Frust hat mir auch die Uneinsichtigkeit mancher Politiker beschert, denen oftmals das Ausmaß ihrer Entscheidungen nicht bewusst ist. Das lässt sich allerdings nicht nur auf berufspolitische Fragen fokussieren.

>> Wo sehen Sie einen Gewinn durch das Ehrenamt? Persönlich? Für den Berufsstand?
Den Gewinn des Ehrenamtes sehe ich u. a. in dem Vertrauen, das mir die Kolleginnen und Kollegen entgegengebracht haben, die mich über fünf Wahlperioden hinweg gewählt haben. Für „Andere“ da sein zu können, auch wenn es sich dabei nur um unsere berufspolitischen Belange handelt, ist eine sehr befriedigende Aufgabe. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Vorstand und Hauptamt der Architektenkammer hat mir viele Anregungen gegeben und, ich möchte gar sagen, mein Leben bereichert. Selbstverständlich habe ich in dieser langen Zeit viel lernen können und auch zahlreiche Erfahrungen gemacht. Die Erfahrungen sind ja bekanntlich die Würze des Lebens. Der gedankliche Horizont ist durch die fachrichtungsübergreifende Zusammenarbeit deutlich geschärft worden. Das sehe ich als Gewinn für mich persönlich, aber auch für meine Arbeit für den Berufsstand. Auch wenn ich nicht alle gesteckten Ziele erreicht habe, so glaube ich doch, mit dem Erreichten zufrieden sein zu können. Die Freien Berufe und somit auch die Architektenkammer, als Körperschaft des öffentlichen Rechts, haben durch die Selbstbestimmung eine besondere Verantwortung in ihrem Tun und Handeln für die Gesellschaft. In diesem Bewusstsein habe ich meine Arbeit und meine Entscheidungen zum Wohle des Berufsstandes der Landschaftsarchitekten und aller in der Architektenkammer vertretenen Kolleginnen und Kollegen getroffen.

>> Welchen Rat geben Sie potentiellen Interessenten?
Wenn du eine Idee durchsetzen willst, überzeuge deine Mitstreiter und suche Verbündete. Gib nicht so schnell auf, denn nur mit Beharrlichkeit lassen sich auch schwierige Ziele erreichen. Unter diesem Motto habe ich noch im ersten Jahr meiner Nominierung in den Vorstand einen Arbeitskreis „Landschaftsarchi-tektur“ genehmigen lassen. In diesem Arbeitskreis werden bis heute viele Aufgaben angedacht und umgesetzt. Dies sollte auch für die mir nachfolgende Person ein wichtiges Gremium sein, dem sie sich verpflichtet fühlt, wie auch umgekehrt. Es gibt noch viel zu tun, es macht Spaß und folglich wünsche ich mir eine Nachfolge mit viel Energie, Ideenreichtum, Kontaktfreude und Gemeinschaftssinn.



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