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Interview Eva Schlechtendahl
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>> Frau Schlechtendahl, warum haben Sie sich für das Ehrenamt der Vizepräsidentin zur Verfügung gestellt?
Seit vielen Jahren bin ich ehrenamtlich in der AKBW engagiert. Sei es als Kammergruppenvorsitzende, Beisitzerin im Berufsgericht, Mitglied des Bezirksvorstandes oder als Vorsitzende der Strukturkommission 2000: Immer war die ehrenamtliche Arbeit interessant und brachte mir neue Aspekte und Erkenntnisse von und über unseren Berufstand. Aber je länger und vertiefter man sich mit berufspolitischen Themen auseinandersetzt, desto eher erkennt man auch Handlungsbedarf auf dem einen oder anderen Gebiet oder es erschließen sich neue Bereiche, die interessant erscheinen und die man weiterentwickeln möchte.
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Freie Architektin in Freiburg und Vizepräsidentin der Architektenkammer Baden-Württemberg: „Für den Berufsstand scheint mir wichtig, dass auch im Präsidium der Blick von den Regionen in Richtung auf die Landeshauptstadt genauso vertreten sein sollte wie umgekehrt der Blick aus dem Raum Stuttgart ins Land.“ (Foto: Wilfried Dechau)
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Hier in letzter Konsequenz gestaltend mitzuwirken, erschien mir nur im Rahmen einer Präsidiumsfunktion wirklich gegeben. Also habe ich diesen Schritt gewagt, wohl wissend, dass man als Südbadenerin in Stuttgart wenig bekannt ist und damit Durchhaltevermögen notwendig sein würde.
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>> Was hat Ihnen während Ihrer Amtszeit „Lust“ bereitet?
Interessant war und ist für mich das immer wieder Befasstsein mit neuen, aktuellsten berufspolitischen Fragen und dies an vorderster Front. Man erfährt sozusagen direkt und hautnah, was gespielt wird - politisch, berufspolitisch und auch kammerintern. Das übt Faszination aus, weckt Neugierde und erzeugt den Wunsch nach weiterem persönlichen, berufspolitischen Einsatz.
Freude bereitet es auch, immer wieder mit anderen Kolleginnen und Kollegen zu tun zu haben und das durchaus bundesweit. Hin und wieder ergeben sich hieraus neue Ideen oder Verbindungen, die sich berufspolitisch und strategisch nutzen lassen.
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>> Und was hat in der Zeit „Frust“ verursacht?
Die Erkenntnis, dass viele Dinge, die man umsetzen möchte, aufgrund von langwierigen Prozessen und verwaltungsspezifischen Vorgaben umso länger brauchen, je höher man in der Kammerhierarchie aufsteigt. Dies lässt zögerlicher handeln und birgt durchaus ein gewisses Frustpotential.
Auch fällt mir auf, dass unser Berufsstand – der doch kreativ in seinem Ursprung ist – meint, durch immer mehr Reglementierungen gerade auch im Ehrenamt Positionen festschreiben zu müssen. Der freien Gestaltung wird dadurch immer weniger Raum zugestanden.
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>> Wo sehen Sie einen Gewinn durch das Ehrenamt? Persönlich? Für den Berufsstand?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass persönliches Engagement - natürlich auch im
Ehrenamt - den eigenen Horizont erweitert, zwischenmenschliche Kontakte schafft, in demokratischem Verhalten schult, die Lernfähigkeit steigert und nicht zuletzt hilft, den Blick zu öffnen für die Denkweise anderer.
Für den Berufstand scheint mir wichtig, dass auch im Präsidium der Blick von den Regionen in Richtung auf die Landeshauptstadt genauso vertreten sein sollte wie umgekehrt der Blick aus dem Raum Stuttgart ins Land. Die Perspektive ist einfach eine andere.
Auch finde ich es erforderlich, dass die Belange der vielen kleinen Büros im Präsidium eine Stimme haben – machen sie doch den größten Teil der Selbstständigen aus.
Last but not least meine ich, dass bei einem Frauenanteil von nahezu 25 Prozent in der Architektenkammer Baden-Württemberg es erforderlich ist, dies auch im Präsidium sichtbar zu machen und sei es nur der Außenwirkung wegen!
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>> Welchen Rat geben Sie potentiellen Interessenten?
Vielleicht den einer klugen Frau: Marie von Ebner-Eschenbach soll gesagt haben: „Das unfehlbare Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen, ist, sich ihnen nützlich zu machen.“
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