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Interview Brigitte Banzhaf
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>> Frau Banzhaf, warum haben Sie sich für das Ehrenamt der Vertreterin der Innenarchitekten zur Verfügung gestellt?
Meine ersten Erfahrungen im Ehrenamt machte ich seit 1996 als Innenarchitektin im Engeren Landeswettbewerbsausschuss. Meine ersten Eindrücke von Kammerarbeit und Gremien waren überwiegend frustrierende Erfahrungen, da die Innenarchitekten selbst bei thematisch geeigneten Wettbewerben nicht als Teilnehmer zugelassen wurden, weil die Qualität der Innenräume nicht als wichtiges Kriterium gesehen wurde. Innenarchitekten spielen auf dieser Ebene leider nicht mit.
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Vertreterin der Innenarchitekten im Landesvorstand und Freie Innenarchitektin in Gerstetten: „Durch vielfältige Aktionen wird das Berufsbild der Innenarchitekten in der Öffentlichkeit berichtigt.“
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Im damaligen Arbeitskreis Innenarchitektur habe ich mich über die mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der Hochbauarchitekten mit den Innenarchitekten und in meiner ländlichen Region beklagt. Sehr reizvoll fand ich 1996 auch die Vorbereitung und Durchführung des ersten Innenarchitektentags im neu erbauten Haus der Architekten.
Als mein Amtsvorgänger mich 1998 bat, seinen Posten im Landesvorstand zu übernehmen, habe ich mich zur Wahl gestellt, ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Ich wollte nicht jammern und meckern, sondern einfach etwas tun.
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>> Was hat Ihnen während Ihrer Amtszeit „Lust“ bereitet?
Die Lust kam erst allmählich. Da mein Vorgänger wegen seiner schweren Erkrankung mir keine Informationen über seine bisherige Arbeit geben konnte, war es anfangs für mich sehr schwierig, als Einzelkämpferin vom Lande meinen Platz in der „exklusiven“ Gesellschaft im Landesvorstand zu finden. Nach und nach kamen dann die ersten Erfolge. Durch meine Rundschreiben fühlen sich die Innenarchitekten in Baden-Württemberg informiert und betreut, was zu vielen positiven Rückmeldungen und Interessensbekundungen führte, die es mir wiederum ermöglichten, einen neuen Arbeitskreis Innenarchitektur aufzubauen. Die kreative Arbeit im Arbeitskreis führt, obwohl oft stressig, meistens zu Erfolgserlebnissen. Durch vielfältige Aktionen wird das Berufsbild der Innenarchitekten in der Öffentlichkeit berichtigt (neuer Flyer, Messeauftritte, Wanderausstellungen an vielen Orten, sogar in Istanbul etc.).
Die Anzahl der Teilnehmer an Veranstaltungen, Besichtigungen, Vorträgen, Jahrestreffen wächst ständig; die Innenarchitekten lernen sich untereinander kennen, bilden Netzwerke, man trifft und begegnet sich immer wieder, der Kreis wird immer größer. Nicht unbedingt lustvoll, aber interessant, ist der ständige Austausch mit Kolleginnen und Kollegen auf Bundesebene. Lust bereitet dagegen der Schulterschluss der zahlenmäßig kleinen Fachrichtungen Innenarchitektur, Garten- und Landschaftsarchitektur und Stadtplanung (ILS) aufgrund ähnlicher berufspolitischer Probleme und Interessen, sowie die gute Vernetzung und Nutzung von Synergien mit dem BDIA auf Landes- und Bundesebene. Besonders positiv ist die Geschlossenheit, mit der sich der Landesvorstand für gleiche Rechte und Eintragungsvoraussetzungen aller Fachrichtungen einsetzt.
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>> Und was hat in der Zeit „Frust“ verursacht?
Immer noch ist das Berufsbild der Innenarchitekten in der Öffentlichkeit häufig unbekannt, auch und vor allem bei den entscheidenden Politikern im Land und auf Bundesebene. Innenarchitektur wird meistens mit Dekoration und Kunst verbunden. Das Bauvorlagerecht der Innenarchitekten ist seit 1996 begrenzt auf „die mit der Berufsaufgabe verbundenen Bauvorhaben“, das heißt auf die Gestaltung von Innenräumen. Das Wissenschaftsministerium hält es trotz vehementer Aufklärungskampagnen nicht für erforderlich, dass Innenarchitekten mehr als sechs Semester studieren müssen, um den Eintrag in die Kammer zu erreichen. Dazu kommt, dass in den Bundesländern unterschiedliche Eintragungsvoraussetzungen eingeführt werden. Diese falsche Beurteilung und Unterbewertung zieht sich teilweise bis in die Reihen der Hochbau-Kollegen („Wozu braucht man denn Innenarchitekten, das bisschen Innenarchitektur machen wir doch gleich mit?“). Manchmal liegen Lust und Frust nah beieinander: es hat anfangs viel Lust bereitet, die durch den BDIA begonnenen interkulturellen Beziehungen zur Türkei, die zunächst auf Hochschulebene funktionierten, in die Kammer zu tragen (Ausstellungen in Istanbul und Stutt-gart). Frustrierend ist dagegen die zögerliche Bereitschaft im Landesvorstand, diese Beziehungen zu fördern und zu intensivieren.
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>> Wo sehen Sie einen Gewinn durch das Ehrenamt? Persönlich? Für den Berufsstand?
Jedenfalls bringt die Tätigkeit im Landesvorstand einen enormen Informationsvorsprung und erweitert den Wissenshorizont. Ich lerne interessante Persönlichkeiten kennen, denen ich sonst nicht begegnet wäre, erhalte Teilnahmemöglichkeit an den verschiedensten Veranstaltungen. Das Ehrenamt bedeutet eine ständige Herausforderung, die eigenen kommunikativen Fähigkeiten zu trainieren und zu verbessern und die übernommene Verantwortung zu tragen. Dabei helfen die vielen freundschaftlichen und kollegialen Kontakte innerhalb des Berufsstands und ein Netzwerk von Mitstreitern. Es tut gut, wenn der Einsatz gewürdigt und anerkannt wird, vor allem wenn beständiges Dickbrettbohren ab und zu zum Erfolg führt.
Zum Berufsstand: Wie aus den Rückmeldungen erkennbar, werden Innenarchitekten laufend gut informiert und wissen ihre Interessen im Landesvorstand vertreten. Der Landesvorstand setzt sich ein für die Anerkennung und berufspolitische Gleichstellung aller Fachrichtungen. Die öffentlichkeitswirksamen Aktionen tragen zur Aufklärung über das Berufsbild bei. Die Innenarchitekten treffen sich, kennen und vernetzen sich. Es ist ein neues Selbstbewusstsein entstanden, die Innenarchitekten werden aktiver in den Kammergruppen und sind in fast allen Gremien der Kammer aktiv.
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>> Welchen Rat geben Sie potentiellen Interessenten?
Ich möchte meinem Nachfolger/meiner Nachfolgerin ans Herz legen,
- weiter für die berufspolitischen Ziele und berechtigten Forderungen zum Wohl der jetzigen und zukünftigen Innenarchitekten zu kämpfen, keine Alleingänge zu machen, sondern die Solidarität zwischen allen Fachrichtungen weiterhin einzufordern und zu pflegen
- Plattformen zu finden für Öffentlichkeitsarbeit, möglichst vielschichtige Kontakte/ Netzwerke zu anderen Gremien der Kammer aufzubauen
- den bisher oft langsamen Informationsfluss zu beschleunigen
- Kontakte zu Professoren und Studenten der Hochschulen zu intensivieren, um die Ausbildungsinhalte und Anforderungen des Berufs in der Kammer und der Praxis aufeinander abzustimmen sowie um die Studierenden möglichst frühzeitig für die Kammer zu interessieren
- die Qualität einer breit angelegten Ausbildung wichtiger zu sehen als Kammerzugang „um jeden Preis“
- Fort- und Weiterbildungsangebote für Innenarchitekten verstärkt anzubieten
- Möglichkeiten für Spezialisierung und Profilschärfung der Innenarchitekten zu finden, um kreativ und auskömmlich den Beruf ausüben zu können
- die Teilnahme von Innenarchitekten an Wettbewerben bei geeigneten Projekten zu fordern
- internationale Kontakte weiter auszubauen
Es gibt von Zeit zu Zeit immer wieder diverse Rückschläge und Enttäuschungen. Die muss man dann entweder akzeptieren oder versuchen, auf einem anderen Weg zum Ziel zu kommen. Jedenfalls braucht man gute Nerven, ein dickes Fell und diplomatisches Geschick.
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