Interview Beatrice Soltys

>> Frau Soltys, warum haben Sie sich für das Ehrenamt der stellvertretenden Kammergruppenvorsitzenden zur Verfügung gestellt?
In meiner damaligen Funktion als stellvertretende Leiterin des Fachbereichs für Hochbau und Gebäudemanagement in Ludwigsburg sah ich durch die Kandidatur eine große Chance, im Spannungsfeld zwischen Kommunalpolitik und dem Streben nach hochwertiger Baukultur eine öffentliche Position zu beziehen. Als angestellte Architektin habe ich die Diskussion mit den freiberuflich tätigen Kolleginnen und Kollegen innerhalb einer offenen Plattform gesucht.

Die Chance zur Einflussnahme auf die politische Willensbildung und damit auch auf die aktive Gestaltung unserer gebauten Umwelt hat mich enorm gereizt.


Beatrice Soltys, stellvertretende Vorsitzende der Kammergruppe Ludwigsburg, Architektin und seit 2008 Baubürgermeisterin in Fellbach: „Die öffentliche Wahrnehmung in so einem Amt schafft gute Voraussetzungen, um in den entsprechenden Gremien auch Gehör zu finden.“

>> Was hat Ihnen während Ihrer Amtszeit "Lust" bereitet?
Der Austausch und die entstandene Vernetzung mit anderen Kollegen des Berufsstandes haben mich begeistert. Neben Freundschaften, die so entstanden, gemeinsamen  Veranstaltungen, die organisiert wurden, sowie auch die Ernsthaftigkeit, mit der so manche Themen heiß diskutiert wurden, haben Spaß gemacht.

Es hat gut getan, fernab des beruflichen Alltags die unterschiedlichsten Themen zu besprechen und Positionen abzuwägen. Nicht zuletzt wurde ich in dieser Position gesellschaftlich stärker wahrgenommen.

>> Und was hat in dieser Zeit „Frust“ verursacht?
Mit der Zeit waren immer nur die selben  Mitglieder in der Kammergruppe bereit, die ehrenamtliche Arbeit in Form von Organisation der Kammergruppenveranstaltungen zu leisten und daran interessiert, was denn in ihrem Umfeld und mit ihrem Berufsstand passiert. Das ist wohl in allen ehrenamtlichen Gremien ähnlich. Die aktive Verantwortung für seinen Berufsstand und für die Qualität in unserer Stadtgesellschaft wahrzunehmen, ist eine Sache der inneren Haltung.

>> Wo sehen Sie einen Gewinn durch das Ehrenamt? Persönlich? Für den Berufsstand?
Die öffentliche Wahrnehmung in so einem Amt schafft gute Voraussetzungen, um in den entsprechenden Gremien auch Gehör zu finden. Nicht zuletzt entstand über einen langen Zeitraum Vertrauen innerhalb der Entscheidungsgremien. Das war natürlich auch damit verbunden, dass gleichzeitig der Berufsstand öffentliches Gehör fand. Ein bestmögliches Ergebnis innerhalb von vorhandenen Rahmenbedingungen zu erreichen, das hat sich gelohnt.

>> Welchen Rat geben Sie potentiellen Interessenten?
Zuerst sollten interessierte Kolleginnen und Kollegen in die Kammergruppenabende gehen und sich aktiv an den Diskussionen beteiligen. So kann man für sich selbst prüfen, ob und welche Gründe einen persönlich veranlassen, mehr ehrenamtliche Verantwortung wahrzunehmen. Denn dazu ist eine kontinuierliche Arbeit notwendig. Auch sollten Interessierte keine Angst haben, spezifische Themen in öffentlichen Gremien zu vertreten. Das kann man in der Praxis lernen.



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