Denn „die Kammer“ sind wir!

Nein – wir haben uns nicht im Datum geirrt. Was für die Politik mit Kommunal-, Europa- und Bundestagswahlen das Jahr 2009 ist, ist für unsere Kammer das Jahr 2010: Einerseits ein Wahlmarathon von der Kammergruppe über die Landesvertreterversammlung und die Bezirke bis hin zum Landesvorstand, andererseits die Chance für alle interessierten Kammermitglieder, die Zukunft des Berufsstandes aktiv mitzugestalten.
Die Architektenkammer verfügt über das große Privileg der Selbstverwaltung des Berufsstandes als hoheitliche Aufgabe.


Wolfgang Riehle, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg (Foto René Müller)

Dieses Privileg – die Möglichkeit, auf die wirtschaftlichen, inhaltlichen und politischen Rahmenbedingungen unserer Berufsausübung Einfluss zu nehmen, – erweist sich jedoch nur dann als Vorteil, wenn die Präsenz von Architekten und Stadtplanern in den Entscheidungsgremien gelebt wird, wenn wir uns einbringen, insistieren, mitdiskutieren und Position beziehen. Kurz: es geht darum, dass sich möglichst viele von uns als Teil der politischen Willensbildung verstehen und sich eben nicht darauf verlassen,
"die Kammer wird’s schon richten". Denn: die Kammer sind wir!

"Viel zu zeitaufwändig", werden Sie sagen oder "das ist doch nur etwas für Funktionäre" und "ich muss mich um mein Büro kümmern" oder "mein Chef stellt mich ja doch nicht frei". Alles im Zweifel richtig, doch diejenigen, die sich einmal für den Berufsstand engagiert haben, finden gleichwohl fast alle Gefallen an dieser Aufgabe. Dies kann ganz unterschiedliche Gründe haben:

- Die Möglichkeit, konkreten Einfluss auf das Berufsbild und die Rahmenbedingungen für die Berufsausübung zu nehmen.
- Die hervorragende Vernetzung innerhalb der Kollegenschaft sowie mit Persönlichkeiten aus anderen Berufsgruppen.
- Die Erweiterung des Horizonts durch die Beschäftigung mit vielfältigen Themen von politischer, kultureller und gesellschaftlicher Relevanz außerhalb des Berufsalltags.
- Aktuelle Informationen über berufspraktische und berufspolitische Themen und Neuerungen.
- Die Unterstützung bei der Gremienarbeit durch die hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kammer und nicht zuletzt
- die gesellschaftliche Wahrnehmung und Anerkennung.

Jeder von Ihnen wird diese Liste nach seinen persönlichen Interessen verändern oder erweitern können.

Voraussetzung hierfür ist allerdings Ihre Bereitschaft, sich als Kandidatin oder als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Gelegenheiten dazu gibt es im Kammerwahljahr 2010 genügend: Über 300 Positionen werden für die kommende vierjährige Legislaturperiode neu oder wieder besetzt. Eine Umfrage unter den Mandatsträgern hat ergeben, dass rund die Hälfte der Ehrenämter vakant wird, weil sich die derzeitigen Amtsinhaber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr erneut zu Wahl stellen werden. Dadurch ist einerseits eine stetige Erneuerung und Verjüngung der Gremien gesichert, andererseits die wichtige Kontinuität gewahrt.

Dieses Editorial bildet den Auftakt zu einer Interview-Reihe im DAB BW, die Ihnen Informationen aus erster Hand zu den verschiedensten Wahlämtern in den Gremien der Kammer liefern und das Interesse am Ehrenamt bei möglichst vielen Mitgliedern wecken soll. Unsere demokratischen Wahlen leben davon, dass sich mehrere Kandidatinnen und Kandidaten um die einzelnen Positionen bewerben. Lassen Sie sich inspirieren und treffen Sie – mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf – Ihre persönlichen, familiären und bürointernen Entscheidungen.

Die wichtigste Voraussetzung für eine befriedigende und erfolgreiche Mitarbeit in einem der Gremien unserer Kammer ist die Lust am kreativen Gestalten – und wer könnte dies besser als Sie selbst?

Wolfgang Riehle
Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg



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